So war das RAA 2017

Wie wir ja schon berichteten, liefen die Vorbereitungen für unser Projekt „RAA 2er Team 2017“ schon seit Herbst letzten Jahres. Dabei wurden vor allem der logistische Ablauf detailliert geplant. Dazu gehörten die groben Fahrzeiten der Fahrer, der Treffpunkt zwischen den beiden Fahrzeugen (Pacecar und Wohnmobil), die Schlafens- und Einsatzzeiten der gesamten Crew sowie die Essensversorgung für das ganze Team. Im Großen und Ganzen waren wir also auch dank der Erfahrungen durch die zweimaligen Teilnahmen im 4er Team sehr gut vorbereitet.

Was uns aber dann im Rennen an Herausforderung erwartete, hat alle unsere Planungen über den Haufen geworfen, uns aber andererseits dorthin geführt, wo wir als Bergfinder auch unsere Stärken haben. Ins Improvisieren!

Da wir im 2er Team sehr früh am Tag ins Rennen gestartet sind, entfiel das aus den letzten Jahren bekannte langwierige und nervenaufreibende Warten auf den Start. Wir machten uns um 07:30 aus Grieskirchen auf den Weg nach St.Georgen. Zwei Stunden später standen wir schon in der Startaufstellung und um 10:10 ging’s dann bei strahlendem Sonnenschein ab ins Rennen. Es war also kaum Zeit für Nervosität.

Die ersten Turns wurden mit ca. 30min bewusst etwas kürzer gefahren, damit sowohl Mario als auch Hannes gleich mal gut ins Fahren kommen konnten. Wie jedes Jahr wurde natürlich wieder etwas zu schnell gestartet. Das sollte aber keine direkten negativen Auswirkungen haben.

So ging es durchs Innviertel bis zur Donaubrücke in Engelhartszell, wo wir uns sehr über einige Freunde und Verwandte an der Strecke freuten, die uns aufmunternde Worte mit auf unsere Runde rund um Österreich mitgaben.

Auch das Mühlviertel ging sehr schnell vorbei und es ging in Richtung der ersten Nacht. Inzwischen waren wir mit einem Wechselintervall von ca. 1-1 1/2 Stunden unterwegs.

Bei einem der Wechsel gab es gleich mal Einiges zu diskutieren, weil nicht klar war, ob der Fahrer wechselt oder nicht und wir dadurch etwas Zeit verloren. In Anbetracht dessen, was wir noch erleben sollten, war das aus jetziger Sicht eine sehr sinnlose Diskussion…

Mit der ersten Nacht kam auch der erste Regen und der war gleichmal heftig!

Genau als Mario einen weiteren Turn startete, begann der Regen erst leicht und dann wie aus Kübeln inkl. einiger Hagelkörner. Ein Regen wie man ihn zuhause vielleicht 2x im Jahr hat. (Und wir sollte im Laufe des Rennens noch jedem Menge davon haben…). Schnellentschlossen haben wir entschieden, dass die Gesundheit vorgeht und haben einen Komplettstopp eingelegt. Nach wenigen Minuten ging es dann aber auch schon wieder weiter – mit großen Schritten in Richtung Tagesanbruch. Am frühen Morgen passierten wir dann die Donau bei Hainburg zum 2. mal. Nun wurde es von Minute zu Minute heißer, bis wir am frühen Nachmittag bei 38°C landeten. Das war dann für den Kreislauf von Hannes zu viel. Nach einem kurzen Gesundheitscheck durch unseren Sanitäter im Team war klar: ein Weiterfahren war zu dem Zeitpunkt nicht möglich. Mario, der mit dem Wohnmobil schon auf dem Weg zum Duschplatz in Halbenrein war, wurde zurückgebracht und nahm auch gleich die Fahrt auf. Der Plan war Hannes eine längere Pause zu gönnen und dann wieder zu zweit einzusteigen.

   

Das wurde ab Donnerstagabend an der Grenze zwischen Steiermark und Kärnten auch wieder gemacht. Zuerst mit kurzen Turns, dann Schrittweise wieder voll. Zum Glück mit Erfolg und somit war die erste Krise gemeistert.

Nun ging’s aber buchstäblich vom Regen in die Traufe.

Denn kaum waren wir wieder zu zweit unterwegs begannen die nächsten Regenschauer. Diesmal dauerhafter Starkregen gemischt mit vereinzelten Hagelschauer, welche uns noch zweimal zu einer Pause zwangen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass uns dieser Regen fast durchgängig bis Samstagvormittag begleiten würden.

Nun war die ganze Crew im Pacecar voll gefordert.

Natürlich die Pacecar-Fahrer, für die es das Regenwetter bei den Nachtfahrten auch nicht einfacher machte.

Für die Navigatoren, die uns über Funk immer wieder Mut zusprachen, und vor allem der Betreuer im Pacecar.

Er nahm nach jedem Turn alle unsere Kleider entgegen und versuchte sie, mit Hilfe der Innenraumheizung bis zum nächsten Turn zu Trocknen (Wie fuhren nach wie vor 1 – 1 1/2 h Turns). Fast gleichzeitig versorgten sie uns mit Suppen und warmen Mahlzeiten, damit wir uns einigermaßen warmhalten konnten. Ohne diese Unterstützung wären wir hier wohl ziemlich verloren gewesen!

Vergessen darf man an der Stelle auch nicht Andrea, die wir zwar während des ganzen Rennens kaum zu Gesicht bekamen, die uns aber diese wichtigen und vor allem köstlichen Mahlzeiten aus dem Wohnmobil heraus zubereitete.

Als wir am Freitagmorgen das Lesachtal hinter uns gebracht hatten, lies auch der Regen etwas nach und die Stimmung Richtung Lienz und über den Iselsberg war richtig gut. Und auf ging’s zum Glockner.

Die Auffahrt war lang und nass aber wenig spektakulär. Unterstützt durch die ganze Crew war er auch rasch absolviert. Oben ging’s aber dann wieder richtig los. Graupelschauer bei Temperaturen um den Gefrierpunkt überraschten uns bei der Abfahrt vom Hochtor zur Fuscher Lacke. Auch hier war wieder ein Zwangsstopp notwendig bevor wir die restliche Abfahrt in Angriff nehmen konnten.

Bei nun deutlich tieferen Temperaturen und anhaltendem Regen ging’s weiter über den Gerlospaß ins Inntal, wo uns das nächste Problem erwartete. Die tiefen Temperaturen speziell in den Abfahrten hatten das Knie von Mario beleidigt, so dass dieser bei jedem festeren Tritt Schmerzen hatten. Darüber hinaus machte ihm die Kälte auch generell zu schaffen. Uns blieb auch hier nichts anderes übrig als spontan zu reagieren und Hannes etwas längere Turns fahren zu lassen.

Das ging auch über das Kühtei und die Silvretta recht gut. In Vorarlberg angekommen, hatte sich Mario aber immer noch nicht wirklich erwärmt, so dass wieder ein Totalstopp von ca.1 1/2 Stunden eingelegt wurde. Dort wurde mit Suppe und heißen Getränken sowie einem vorgewärmten Schlafsack versucht, der Kälte zu trotzen. Für die Weiterfahrt wurden in weiterer Folge auch mit diversen Kleidungsergänzungen aus Müllsäcken gearbeitet. Mit Erfolg!

Unter intensiver Zusprache der Betreuer via Funk aus dem Pacecar oder direkt neben dem Fahrer herlaufend (!) wurden die drei Berge in Vorarlberg durchaus zügig bewältigt.

          

Obwohl die Unterstützung des ganzen Team im 4er Team auch immer ein wichtiger Faktor war wurde uns jetzt allen so richtig klar wie ungleich wichtiger jeder im Team beim 2er-Bewerb ist. Ohne die positive Einstellung und die Unterstützung jedes einzelnen der 8 Betreuer wären wir wohl mit den Auto von Vorarlberg heimgefahren.

Ab der Pause hat es dann aber auch im Kopf klick gemacht und es war klar, dass wir das Rennen beenden werden. Egal was noch kommt.

Im nächsten Teilabschnitt bei Reute hatten wir dann sogar die beste Zwischenzeit aller 2er Teams. Der Rest war eine Abfolge von ca. 1h Turns die wir konsequent durchzogen und uns bei langsam besser werdendem Wetter KM für KM dem Ziel näherten.

Um  am Sonntag um 05:45 war es dann soweit und wie erreichten müde aber mit einer sehr positiven Stimmung die Ortstafel in St. Georgen.

Was bleibt sind jede Menge Erinnerungen die ein ganzes Buch füllen würden,  ein Teamspirit wie wir in vorher noch nicht gekannt haben und die Erkenntnis, dass wir als Bergfinder alles Schaffen können was wir uns vornehmen.